3typen-Interview: “Macht das, was euch geil macht”
Am: 22. Juli 2009 | Von: Rüdiger | Unter: Daily Terror | Tags: 1, 2, 3, 3typen, musik, soundtrack, video | Keine Kommentare »
Vor ein paar Tagen haben wir hier im Blog über ein paar sehr überzeugende Künstler der Games-Branche gesprochen: die 3typen. Die Jungs schneiden Material aus Computergames zusammen und unterlegen die Videos mit ihren selbst komponierten Musikstücken. Die Bandbreite der verschiedenen Werke geht dabei von pompös-monumental bis hin zu abgedreht-irre und – und das ist für mich das Wichtigste – kein Video gleicht dem vorherigen und jeder Track ist ein wirkliches Erlebnis! Das war für das Gameslabor natürlich Grund genug, mehr über die 3typen erfahren zu wollen. Vielleicht hätten mich dieses Interview (HIER ANSCHAUEN!) oder das persönliche Motto der Jungs (“Alles kann, nix muss”) vorsichtiger machen sollen, doch ich wollte unbedingt ein exklusives Gespräch mit den Jungs. Heraus kam ein irre gutes, aber auch gut irres Interview…
Stellt euch doch mal kurz vor: Wer steckt hinter den 3typen?
Die kurze Variante ist: 1,2,3 Typen.
Die Musik ist ja offensichtlich Mittelpunkt eurer Arbeit. Seid ihr drei ausgebildete Musiker?
Selbstverständlich nein! Auf unserem Heimatplaneten ist Musik ein Teil des Empfängnissprozesses. Bei unserer Geburt spielt jedes Mal ein Orchester und während des Stillens hört man die Muttermilch singen. Unser Mutterwesen spielte früher als Bassistin bei “Desaster Area”. Es war mehr ein natürlicher Prozess zur Musik zu gelangen als eine “Ausbildung”… Evolution halt.
Und wie lässt sich eure Begeisterung für Games erklären?
Aufgrund eines Triebwerkschadens hängen wir hier seit den – wir ihr es nennt – 70ern fest. Seitdem vertreiben wir uns die Zeit, bis die Ersatzteile geliefert werden, mit dem Spielen diverser Konsolen- und Computerspiele. Das fängt bei “Pong”, “Archon”, “Space Invaders”, “Castlevania”, “Arkanoid”, TI-Extended Basic, Martin Galway, Rob Hubbard, Chris Hülsbeck, Paul Norman und dem Amigaball an und endet bei “Fallout 3″, “Lost Planet” und “Timesplitters Future Perfect”.
Wann seid ihr dann auf die Idee gekommen, eure Musik mit Spielen zu vermischen?
Wir haben zuerst versucht, sie mit verschiedenen Hunderassen zu mischen, aber es klang irgendwie zu Emo. Die besten Ergebnisse erzielten wir bisher mit Papageien und Affen… Wie eben schon gesagt, spielen wir ja auch schon sehr lange Spiele und irgendwann kommt man auf die Idee, dass das bisher Gebotene einem nicht ausreicht oder animiert, das Spiel weiter zu spielen. Zu C64/NES-Zeiten konnte jeder unserer Kondensatoren die Melodie miträllern. Spiele wie “Mass Effect”, “Halo”, “GTA”, “Silent Hill” und “Final Fantasy” z.B. pflegen und entwickeln ihre eigene musikalische Persönlichkeit.
Nehmt ihr denn eigenes Spielmaterial oder benutzt ihr offizielle Trailer für eure Videos?
Das hängt vom jeweiligen Trailer und sicherlich noch mehr von unserer Lust und Laune ab. Manchmal gefällt uns der bisherige Schnitt des Videokünstlers, zeitweise wollen wir einfach schneiden und nehmen eigenes Material auf. “New World Order” ist ein gutes Beispiel dafür.
Wie geht ihr bei der Erstellung eines neuen Werkes vor? Gibt es zuerst die Musik, dann schneidet ihr Spielszenen zusammen…?
Das geht gleichzeitig, nacheinander, übereinander… “GTA IV ‘everything will change’” und “Crimson Butterfly” sind gute Beispiele für den fast zeitgleichen Schnitt von Musik und Bild. Bei “Prototype” stand zuerst die Musik fest und anschließend haben wir den Schnitt des Videos gemacht. Eigentlich kommt durch die Idee der Weg der Produktion.
Wie lange dauert die ganze Produktion – vom Komponieren bis zum fertigen Schnitt?
In eurer Zeitrechnung? Je nach Produktion kann es drei Tage bis 1.5 Mondphasen dauern. Trailer wie “Halo Wars” oder “Resistance – Fall of Man” beinhalten den originalen Videoschnitt, während Trailer wie “Killzone – Fire” und “New World Order” (“Burnout Paradise”) einfach aufgrund der Produktionsart des Videos aufwendiger sind und mehr Zeit benötigen.
Mit welchem Equipment nehmt ihr eure Musik auf, womit schneidet ihr Musik und Bild zusammen?
Wir arbeiten meist komplett im Computer, das heißt, wir spielen Gitarren und so weiter direkt ins Interface und verlieren uns dann in den unendlichen Weiten magischer Plug-in-Ketten. Teilweise nutzen wir unser Sammelsurium an alten analogen Synths, wie den MS-10, MS-20 und den Jupiter 6. Jetzt, wo uns die Welt zu Füssen liegt und wir wöchentlich Schecks aus verschiedenen Ostblockländern erhalten, gesellen sich Stück für Stück einige analoge Mastering-Komponenten hinzu, die aber nur die kaputte Heizung im Keller ersetzen sollen.
Kann man von Gamemusic, wie ihr sie macht, hauptberuflich Leben? Wenn ja: Ist das sehr lukrativ? Wenn nein: Was macht ihr in der Zwischenzeit?
Wir haben bereits die Abkömmlinge verschiedenster CEOs entführt, bisher gab es allerdings noch keine Reaktionen auf unsere Lösegeldforderungen. Offensichtlich erregen unsere Demos Aufsehen, aber um für einen großen Titel was zu machen, müssen wir unseren Virus erst noch in verschiedene Gehirne pflanzen und eure Kapitalunternehmen infiltrieren. Wir leben von “normalen” Pop- und Elektroproduktionen und Remixen für Künstler wie z.B. Peter Heppner, Christina Stürmer und Fort Minor. Das macht Spaß – aber Blitze zucken erst durch den Raum, wenn Polygone zum Klang übertriebener Kompression im Licht vergehen.
Ihr habt es gerade selbst gesagt: Eure Gamemusic-Videos kommen im Internet sehr gut an. Welche Tipps könnt ihr Leuten geben, die auch so etwas machen möchten?
Im Ratschlagen waren wir noch nie gut, haben wir während der Bundesjugendspiele gemerkt. Uns hat jedoch geholfen, dass wir nicht “Faint” unter Mangavideos geschnitten haben und das wir eigentlich nur das Anziehen, was uns wirklich steht… soll heißen: Macht das, was euch selber geil macht.
Können sich interessierte Gameslabor-User mit ihren Fragen in unserer Community persönlich an euch wenden?
Sicherlich. Es sollte nur keiner mit Antworten rechnen…
Sucht ihr eventuell noch Verstärkung?
Dein Mut ehrt dich Erdling…
…obwohl… dann müsstet ihr euch umbenennen – vielleicht sollten wir diese Frage besser vergessen…
Du spielst uns die Argumente direkt in die Hand (murmelnd) und wir müssen uns keine Lügen aus der Tasche ziehen… (laut) Wir vergessen die Frage einfach… Außerdem wer stellt denn dann die Interviewfragen?
Ich hatte eigentlich nicht an mich gedacht. Ich bin völlig unmusikalisch. Ich kann nicht mal einen Grundtakt mit den Füßen stampfen und dazu mit den Händen klatschen. Ich hatte eher unsere Community im Hinterkopf. Vielleicht will ja ein User bei euch mitmachen.
Schade, wir dachten daran dich auszuhöhlen und mit Tierfell zu bespannen – eigentlich reicht unsere Notkapsel nur für drei… Ne, im Ernst: Wir sind keine Insel. Wir arbeiten für und mit vielen Leuten auf diesem Planeten zusammen. Im Kern sind wir jedoch ein Team von 3Typen, die sich sehr gut kennen und schätzen und wissen wie man in stressigen Musikeralltag miteinander umgeht, ohne sich zu zerfleischen. Bei einigen Jobs z.B. sitzt du 14 Stunden und mehr pro Tag im Studio und das monatelang… Das ist mehr so eine Art Ehe.
Vielen Dank für das Interview!
Vielen Dank für die Fragen.

Weiterführende Links:
Die aktuellen Stücke der 3typen in der Gameslabor-Community
3typen: Starke Gamemusic, abgefahrene Videos
Die offizielle Homepage der 3typen

Kommentieren